
Auf den Spuren des Gotthard-Mythos: Wanderung zum Lago della Stella
Aber die Säulchen, wer schliff sie so glatt, spitze sie, schärfte sie glänzend und matt?
Schau in die Klüfte des Berges hinein, ruhig entwickelt sich Stein aus Gestein
Johann Wolfgang Goethe (geschrieben 21.4.1818)
Vierzehn winterfeste Wandersleut (auf dem Gotthard waren immerhin Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt) machten sich auf den Weg.
Mit Bahn und Postauto ging unsere dreieinhalbstündige Reise bis auf den Gotthardpass, wo wir bereits ein wenig weisse Winterlandschaft «riechen» konnten. Recht kalt war es und windig, dennoch zeigte sich das Wetter von seiner besseren (zeitweise sogar sonnigen) Seite als erwartet.
Beim Startkaffee – mit Nussgipfel ! – informierte uns Annemarie über allerlei Wissenswertes vom Gotthard und seiner Begehbarmachung. So wurde der Saumweg bereits im dreizehnten Jahrhundert erstellt und der Pass wuchs rasch zu einem der bedeutendsten Alpenübergänge. Der Legende nach soll der Name Gotthard vom Bischof Gotthard von Hildesheim (heiliger Godehardus – bedeutender Heiliger im Mittelalter) stammen.
Tipp: Auf Wikipedia unter «Gotthardpass» ist die ganze Geschichte nachzulesen.
Nebst vielen anderen war auch Goethe ein glühender Verehrer des Gotthardpasses und reiste dreimal dorthin. Er wird denn hier auch allüberall erwähnt.
Was nicht alle wissen oder wussten, entspringen die Flüsse Rhein, Rhone, Reuss und Tessin aus dem Gotthardmassiv.
Gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zur Historischen Festung, die wir nach einem kurzen Fussweg erreichten.
Mit dem Eintreten in den Berg eröffnete sich uns eine unbekannte, in gewissen Teilen beengende und finstere, Welt von erstaunlicher Grösse. Über längere Gänge gelangten wir zur Ausstellung «Mythos Gotthard». In verschiedenen Themenbereichen (in einzelnen Höhlenkammern) erfuhren und sahen wir zahlreiche interessante «Geschichten» über den Gotthard, Gestein, Kristalle und Fossilien. Im Energiesaal, der ehemaligen Energieversorgung der Festung, beeindruckten uns die unzähligen Sicherungen, wie wir sie aus unserer Kindheit noch kennen. Ein Themenbereich ist die Dauerausstellung über Goethe und seine Reisen auf den Gotthard.
Nach der Ausstellung im unteren Bereich marschierten wir durch einen ellenlangen Gang zur Metro Sasso, einem kurzen sehr steilen Seilbähnli, das uns in die Truppenunterkünfte, Geschützstellungen und Munitionsmagazine brachte.
Hier in diesen originalgetreuen «Hallen» wurden, insbesondere in den Truppenunterkünften, einige nostalgische Gefühle geweckt; die Geschütze und Kanonen lösten indessen eher beklemmende Empfindungen aus (Krieg ist ja wieder allgegenwärtig).
Belohnt wurden wir aber hier in dieser finsteren Umgebung mit dem Gang auf eine wundervolle Aussichtsterrasse mitten in den Felsen. Ein absolut einmaliges Panorama erwartete uns. Super!
Tipp: www.sasso-sangottardo.ch/entdecken (Video)
Mythos Gotthard und Festung hatte uns so fasziniert, dass wir die Zeit fast vergassen, so dass wir schlussendlich auf die ursprünglich vorgesehene Wanderung zum Lago della Stella verzichteten. Weiter nicht schlimm; es blies eh ein sehr kühler Wind.
Ein paar von uns machten trotzdem noch einen Marsch in der Gegend. Die anderen stärkten sich im Bergrestaurant mit Gluschtigem.
Um halb fünf Uhr gings wieder heimwärts zu. Gutgelaunt und voller Eindrücke erreichten wir Buchsi gegen zwanzig Uhr.
Eine sehr schöne Reise – Tausend Dank Annemarie für die Organisation und Leitung.
Lisbeth Fink und Bernhard Germann















